Vor 800 Jahren Gründung des ehemaligen Benediktinenerinnenklosters St.Sebastian zu Amtenhausen 1107-1987

( Vor 800 Jahren Gründung des ehemaligen Benediktinerinnenklosters St. Sebastian zu Amtenhausen

1107 – 1987 )

 

Eines der Seitentäler der jungen Donau ist das Amtenhauser Tal.

Es erstreckt sich von Zimmern hinauf nach Öfingen.

In dieser Abgeschiedenheit gründete Abt Theoger von St.Georgen im Schwarzwald, der spätere Bischof von Metz 1107 die Benediktinerinnenabtei Amtenhausen.

 

Der Stifter Abt Theoger, selbst als gelehrter Mann geschätzt,machte es den Schwestern zur heiligen Pflicht, die lateinische Sprache zu erlernen, um mit Mund und Herzen die Psalmen beten und singen zu können.

In den ersten Jahren mussten noch die toten Schwestern nach St.Georgen überführt werden. Erst als 1111 die selige Beatrix eine adelige Jungfrau aus Schwaben starb, erhielten die Nonnen ihren eigenen Friedhof.

 

Wenige Jahre später, 1113 erteilte der Apostolische Legat Bischof Gebhard III von Konstanz dem Kloster die kirchliche Weihe. Es war sicherlich ein denkwürdiger Tag, als Bischof Gebhard seine Hände über die Neugründung ausbreitete und das Haus den Schutz des Pestheiligen St. Sebastian stellte.

 

  • 1127 : sendet Amthausen bereits 3 Schwestern für eine Neugründung nach Urspringen in Schwaben.

  • 1178 : unterstellt Papst Alexander III das neu gegründete Kloster in allen Rechten und Pflichten unter den Schutz des Mutterklosters St.Georgen.
     

Das Haus Wartenberg wählte Amtenhausen zum Erbbegräbnis.

 

  • 1307 : Wie urkundlich zu ersehen ist, besaß das Kloster neben Wartenberg und Fürstenberg das Präsentationsrecht den Pfarrer für das Gotteshaus Öfingen zu präsentieren.
    Die damalige Meisterin Adelheid machte von diesem Recht Gebrauch.

  • 1475 : Eine Gefahr für den Weiterbestand des Klosters war die Reformation. Wie überall, so auch hier, nahm das innere Leben und die Eintritte etwas ab.

  • 1545: In diesem Jahr wurde das Mutterkloster St.Georgen auf dem Schwarzwald bereits durch die Reformation und infolge Gewalttätigkeiten von Seiten Württembergs aus seinem Besitztum vertrieben und fand in Villingen eine neue Heimat.

  • 1632: brachte für die Bevölkerung wie für die Abtei große Sorge, Elend un die ersten Bekanntschaften mit fremden Solaten.

    • Heftige Stürme und manigfaltige Demütigungen hatte das Kloster zu überstehen.

      In die Baar waren die Schweden und die mit ihnen im Bunde stehenden Württemberger eingedrungen. Als Dritte im Bunde erschienen im gleichen Jahr noch die Franzosen.

      Am 21.4 herrschte große Aufregung im Konvent. Die Nonnen wurden angesichts der großen Gefahr von der Gräfin von Fürstenberg gemahnt das Kloster zu verlassen und sich an sichere Orte zubegeben. Sie aber beschlossen zu bleiben.

      ( Sie vertraten die Ansicht, es müsse ihnen draußen eine größere Gefahr drohen als am Orte ihrer Profeßablegung ).

      Wenige Tage später am 30.4 Flucht aus dem Kloster.

      13 Schwestern suchten Schutz in Villingen, andere in Engen, Öfingen und einige in der Scheiz.

      Am 3.5 hausen die Schweden in Amtenhausen, überfielen das Kloster und plünderten es aus.

      Nachdem sich der feindliche Sturm gelegt hatte, trafen nur noch 5 Klosterfrauen in Amtenhausen wieder zusammen. Sie fanden das Kloster förmlich ausgeraubt und verwüstet.

  • 1651: wurde Anna Scholastika Zoller von Villingen zur Meisterin gewählt. Sie stellte das durch den Schwedenkrieg fast ganz ruinierte Kloster wieder her.

  • 1704: am 21.8 nach der großen Schlacht bei Hochstädt brach wiederum eine große Heimsuchung über das Kloster herein. Amtenhausen wurde von den flüchtenden Franzosen geplündert und das Kloster erlitt einen Schaden von 12.000 Gulden.

    • Alte und kranke Nonnen, die nicht mehr flüchten konnten, berichteten, dass die Franzosen wie die Vandalen gehaust hätten. Selbst die Strohsäcke der bettlägrigen Nonnen wurden durchstochen, weil man hoffte, dort Geld zu finden.

  • 1733: in diesem Jahre erhielten die Pfarrei-Zimmern mit Hilfe des Abtes Hieronymus Schuh von Villingen und des Fürstenbischofs von Konstanz ihre Selbständigkeit zurück. Äbtissin und Convent übergaben zur Rückgliederung ein Dotation von 2000 Gulden.

  • 1738: am 28.Mai starb die hochverdiente Frau Äbtissin

  • 1760: in diesem Jahre erbaute das Kloster unter ihrer Nachfolgerin Mechthild Guggenmoos die heute noch viel beachtete Zehntscheune in Unterbaldingen.

  • 1786: drohte das alte Klostergebäue einzustürzen.

    • Äbtissin und Convent sahe die Notwendigkeit ein, den Neubau des 3. Stock hohen Klosterflügels zu unternehmen. Innerhalb 3 Jahre wurde der Flügel fertiggestellt. Die Baukosten beliefen sich auf 42 313 Gulden und 50 Kreuzer.

      Zur Schuldentilgung unterstützte St.Georgen die Abtei.

  • 1796: am 26.Mai wurde M. Kunigundis aus Hintschingen in der Fürstenbergischen Baar zur Äbtissin gewählt und eingeweiht.

    • Die Bewohner von Amtenhausen mussten ihre Heimstätten verlassen und vor den anrückenden Franzosen an verschiedenen Orten Zuflucht suchen.

      Am 24. August kehrten sie wieder in ihr Gotteshaus zurück.

      Am 8. Oktober durchzogen erneut ein wilder Haufen die Gegend. Die Kirche litt bedeutende Schäden. Äbtissin Kunigunde hinterließ uns ein Tagebuch, das uns Einblick in jene Zeiten gibt.

  • 1799: Am 1.März zogen die Jourdanische Armee über den Rhein und rückte in unsere Gegend vor.

    • Am 9.März forderten sie vom Kloster 2 Fäßlein Wein. Namchmittags am selben Tag, kam eiu Brigadegeneral und mehrere Offiziere, sie forderten Essen und verlangten für ihre Pferde Futter. Ein Bote des Klosters musste sie über den Berg nach Geisingen begleiten.

      Nachdem die Forderungen immer unverschämter und unerfüllbar waren, entschloss sich die Äbtissin spontan in Begleitung der Nonne M. Josefa Lens bei seiner königlichen Hoheit, Erzherzog Karl, persönlich vorzusprechen und die Notlage des Klosters vorzutragen, der in Geisingen sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte.

      Allein auch dieser Versuch war ohne Wirkung, da Erzherzog Karl von der Armee nach Wien abgerufen wurde.

       

      Bei all diesen schweren Kriegsplagen verbreitete sich noch im Jahre 1801 eine verheerende Viehseuche. Diese Seuche befiel auch den Bestand unseres Klosters.

      Das Kloster hielt sich immer noch aufrecht und vertraute auf Gottes erbarmende Hilfe.

      Nur wenige Klöster überstanden dies Zeit. In Baden waren es die Cistercienserinnen Abtei von Lichtenthal.

 

Zur Zeit der Aufhebung des Klosters, befanden sich noch etwa 20 Klosterfrauen und 10 Schwestern, wozu noch die Laienschwestern kamen und das zahlreiche Personal für die Bewirtschaftung der Klostergüter.

 

  • 1808: Als Äbtissin Kunigunde die hochverehrte und geliebte Mutter am 20. März starb, kehrte tiefe Trauer unter ihren geistigen Töchtern ein.

    • Eine Neuwahl durfte nicht mehr stattfinden. Mit ihr sank die 700- jährige Geschichte der Abtei mit ins Grab.

  • 1827: lebten in Amtenhausen noch 8 Klosterfrauen.

  • 1835: waren es noch 7.

    • Die letzten Nonnen wurden auf dem sogen ``Aussterbe-Etat´´ gesetzt.

      Auffallend ist übrigens, dass die letzte Klosterfrauen fast alle über 80 Jahre alt wurden.

  • 1843: starb eine von den drei letzten Klosterschwestern

  • 1844: tauchte Herr Gilger FF. Domänendirektor im Amtenhausen auf, um mit der letzten noch lebenden Schwester Agatha Krebser Gesrpäche zu führen und sie dazu überreden wollte, das Haus zu verlassen.

    • Man gewährte der Nonne 500 Gilden Rente, versprach ihr in Amtenhausen verbleiben zu können.

      So entschloss sich die letzte Schwester Amtenhausen zu verlassen. Sie war gebürtig von Dannheim bei Aulendorf. Sie war 71 Jahre alt und hatte 45 Jahre in Amtenhausen zugebracht.

      Das Kloster war nun leer. ``Im Tal ist es jetzt still geworden. Keine Glocken verkünden den Beginn des Gottesdienstes und der Horen mehr. Die Schleier der Schwestern wehen zur Zeit der Ernte nicht mehr auf den Wiesen und Feldern.´´


      Als nur noch wenige Nonnen im Kloster lebten, wurden bereits Gegenstände von den Schwestern als Andenken an ihre Verwandten verschenkt.

      So ist es verständlich, dass heute noch da und dort Statuen, Kruzifixe, Bücher und sonstige Andenken aus dem ehemaligen Kloster in der Baar verbreitet anzutreffen sind.

 

  • 1850: am 12.August, wurde mit dem Ausbau und Abbruch der Klosterkriche begonnen.

    • Als die drei Altäre weg waren, begann man mit dem völligen Ausbau der Kirche. Von den vier Seitenaltären befinden sich einer in der Pfarrkirche zu Immendingen, einer in der Friedhofskapelle in Zimmern und einer in Aasen.

      Zwei Glocken erhielten die Stadt Fürstenberg, die große Öfingen und die kleine verblieb in Amtenhausen. Die Münsterpfarrei Villingen ist Eigentümerin von vier großen Statuen ( Maria, Johannes, Katharina und Margarethe , die um 1500 von Hans Sixt von Staufen geschaffen wurden.

      Die Pfarrkirche Immendingen ist ebenfalls im Besitze eines äußerst kunstvoll gestickten Antependiums aus dem Jahre 1621.

      Der Bernediktuszyklus von Maler Zoll aus Möhringen geschaffen, schmücken heute noch den Sitzungssaal im Rathaus Engen.

      Im dortigen Heimatmuseum werden ebenfalls Gegenstände aus Amtenhausen für die Nachwelt aufbewahrt.


Keines der säkularisierten Klöster in unserer Heimat erlitt solch ein trauriges Schicksaal, dass nicht einem irgend ein Zeichen an das ehemalige 700-jährige Kloster den Vorübergehend erinnerte.

FF. Forstdirektor, Herr Cerny, errichtete mit seinen Forstbediensteten in freiwilliger Arbeit eine gemauerte Niche mit stabiler Überdachung, die der Wetterseite abgewandt ist.

Das 7 m hohe Eichenkreuz und der neu erstellte Bildstock stehen unmittelbar nebeneinander und bilden so mit der geschaffenen Sitzgelegenheit, eine harmonische Einheit zum Gedenken an die heilige Beatrix und an das 700- jährige bestehen des Klosters.

Die restaurierte Darstellung des Klosters und des Bildnisses der seligen Beatrix haben nun einen geschützten Ort.

Quellen: Kirchengeschiche der Baar,Dr. Lauer

              Tagebuch Abt Gaisser,1620

              Leutnant von Hasle

              Parrer Dr. Hans-Jakob

              Landesarchiv Karlsruhe

              Das Kloster Amtenhausen

              Einsiedeln 1828                             

              aus dem zusammengefassten Buch

              von Fritz Vögele

 

 

 

Ein großen DANK an Beatrix Travlarios und Opa vom Hof Amtenhausen für die vielen Infos und netten Geschichten über das Tal

 

 

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